Was ändert sich im Bereich der Photovoltaïkanlagen, die bis zu 10 kW Leistung erbringen?
Die wallonische Regionalregierung wird an diesem Donnerstag, auf Geheiß des Energieministers Nollet (Ecolo), die Grundzüge eines Regierungserlasses in 2. Lesung verabschieden, um diesen anschließend zum Staatsrat zu schicken, bevor er in letzter Lesung erneut auf den Tisch der Regierung gelegt wird. Was steht drin ? Der Regionalabgeordnete Stoffels (SP) hat die Texte unter die Lupe genommen und kommt zu folgenden Erkenntnissen:
1. Zu welchem Moment wechselt die Regelung ?
Die Regel zur Vergabe von Grünen Zertifikaten, die in Kraft ist zum Zeitpunkt des Kaufs einer Anlage, bleibt bestehen für Anlagen mit einer Leistung unter 10 kW. Unter Kauf versteht man, dass mindestens 20 % des Gesamtkaufpreises bezahlt wurde oder dass ein Grünes Darlehen mit dem Zweck, die Anlage ganz oder teilweise zu finanzieren, abgeschlossen wurde. Vorausgesetzt wird bei diesen Anlagen, dass binnen sechs Monaten nach der Anzahlung bzw. dem Darlehensvertrag die Abnahme der Anlage durch ein anerkanntes Unternehmen vollzogen wird. Der Kaufzeitpunkt sollte vor dem 1. Dezember 2011 liegen.
2. Wie viele Grüne Zertifikate wird eine Anlage erbringen ?
Laut Unterlagen beläuft die Zahl der Grünen Zertifikate sich pro Megawatt erzeugtem Strom wie folgt :
- Anlagen, die vor dem 1. Dezember 2011 gekauft wurden : 105 Grüne Zertifikate pro MW, d.h. 7 Zertifikate pro Jahr und pro MW während 15 Jahren.
- Anlagen, die zwischen dem 1. Dezember 2011 und dem 31. März 2012 gekauft wurden : 70 Grüne Zertifikate pro MW.
- Anlagen, die zwischen dem 1. April 2012 und dem 31. August 2012 gekauft wurden : 60 Grüne Zertifikate pro MW.
- Anlagen, die zwischen dem 1. September 2012 und dem 31. März 2013 gekauft wurden : 50 Grüne Zertifikate pro MW.
Die Anzahl Jahre, während derer Grüne Zertifikate vergeben werden, wird für Anlagen, die ab dem 1. Dezember 2011 gekauft werden, von 15 auf 10 Jahre gesenkt.
Für eine Anlage, die 5 MW pro Jahr produziert, macht das einen Unterschied aus von :
- Anlagen, die vor dem 1. Dezember 2011 gekauft wurden : 105 Grüne Zertifikate pro MW x 5 MW = 525 Grüne Zertifikate zum garantierten Mindestpreis von 65 €/Zertifikat, also insgesamt 34.125 €
- Anlagen, die zwischen dem 1. Dezember 2011 und dem 31. März 2012 gekauft wurden : 70 Grüne Zertifikate pro MW x 5 MW = 350 Grüne Zertifikate. Diese entsprechen zum garantierten Mindestpreis von 65 €/Zertifikat einem Gesamtwert von 22.750 €.
- Anlagen, die zwischen dem 1. April 2012 und dem 31. August 2012 gekauft wurden : 60 Grüne Zertifikate pro MW x 5 MW = 300 Grüne Zertifikate. Diese entsprechen zum garantierten Mindestpreis von 65 €/Zertifikat einem Gesamtwert von 19.500 €. .
- Anlagen, die zwischen dem 1. September 2012 und dem 31. März 2013 gekauft wurden : 50 Grüne Zertifikate pro MW x 5 MW = 250 Grüne Zertifikate. Diese entsprechen zum garantierten Mindestpreis von 65 €/Zertifikat einem Gesamtwert von 16.250 €.
3. Wie verteilen sich die Grünen Zertifikate auf die Periode von 10 Jahren ?
Zunächst will die Regionalregierung am System der 40 Vorschusszertifikate festhalten. Diese helfen dabei, den Ertrag von 40 Zertifikaten bereits zu ermöglichen, bevor die entsprechende Menge Strom produziert werden konnte. Sie helfen also bei der schnelleren Amortisierung der Anlagen bzw. bei der Tilgung der ersten Raten. Diese 40 Vorschusszertifikate werden mit den Zertifikaten verrechnet, welche die Anlage auf Basis der effektivem Stromerzeugung erbringt.
Die Vergabe von Grünen Zertifikaten erfolgt degressiv. Am Anfang gibt es mehr. Mit den Jahren nimmt die Zahl der Zertifikate pro MW erzeugtem Strom ab. Die Formel lautet :
Ai = (2*S/n)*(1/(1+R))*(R-(R-1)*(i-1)/(n-1))
wobei
S der Gesamtzahl der Grünen Zertifikate für die Gesamtperiode entspricht,
n die Anzahl Jahre, während derer Grüne Zertifikate vergeben werden
R dem Wert 4 entspricht und i das Jahr ist, in dem man sich befindet.
So ergibt diese Formel, dass die Anzahl der Grünen Zertifikate pro MW erzeugtem Strom sich wie folgt verteilt :
| Gesamt | 1.Jahr | 2.Jahr | 3.Jahr | 4.Jahr | 5.Jahr | 6.Jahr | 7.Jahr | 8.Jahr | 9.Jahr | 10.Jahr |
| 1. = 70 | 7 | 7 | 7 | 7 | 7 | 7 | 7 | 7 | 7 | 7 |
| 2. = 60 | 9.6 | 8.8 | 8 | 7.2 | 6.4 | 5.6 | 4.8 | 4 | 3.2 | 2.4 |
| 3. = 50 | 8 | 7.33 | 6.66 | 6 | 5.33 | 4.66 | 4 | 3.33 | 2.66 | 2 |
1. Anlagen, die zwischen dem 1. Dezember 2011 und dem 31. März 2012 gekauft wurden
2.Anlagen, die zwischen dem 1. April 2012 und dem 31. August 2012 gekauft wurden
3 Anlagen, die zwischen dem 1. September 2012 und dem 31. März 2013 gekauft wurden
Der vorliegende Erlass tritt am Tag seiner Veröffentlichung im Staatsblatt in Kraft, außer die oben erwähnte Berechnungsformel, die ab dem 1. April 2012 in Kraft tritt. Daher ergibt jedes MW für die Anlagen, die zwischen dem 1.12.2011 und dem 31.3.2012 gekauft werden, 7 Grüne Zertifikate Pro Jahr über die gesamte 10-Jahresperiode. Für die anderen Anlagen, die später gekauft werden, wird die Anzahl Grüner Zertifikate degressiv gehandhabt.
Man bemerke, dass alle Anlagen, gleich zu welchem Zeitpunkt sie erworben wurden, bis 2014 mehr Grüne Zertifikate pro MW als bisher erzeugen. Danach sinkt die Zahl der Grünen Zertifikate unter dem aktuellen Niveau. (2014 ist – nebenbei bemerkt – das Wahljahr zu den kommenden Regionalwahlen).
4. Wie wird diese Maßnahme begründet ?
Unter den verschiedenen Gründen, seien zwei herausgehoben :
- verbilligen die Anlagen sich weiterhin, wie zurzeit beobachtet, wird der billigere Preis für die Anschaffung wesentlich die Minderung der Zahl von Grünen Zertifikaten ausgleichen. Man geht davon aus, dass die Amortisationsdauer wegen der billigeren Anschaffung für die gleiche Leistung kaum wesentlich verändert wird. Doch dürften umgekehrt die Preisunterschiede für Anlagen mit einer Leistung von 5 MWh/Jahr kaum den Unterschied im Ertrag der Grünen Zertifikate zwischen 34.000 € (aktuelles System) und 16.000 € (Anlagen, die ab dem 01.09.2012 gekauft werden) ausgleichen. Das bedeutet, dass die Anschaffung einer Photovolatikanlage als Anlage von Ersparnissen in Zukunft zwar immer noch, aber weniger attraktiv sein wird.
- je mehr Anlagen Grüne Zertifikate produzieren, umso mehr werden die Kosten der Grünen Zertifikate von den Stromanbietern auf die Rechnungen derer umgelegt, die keine Photovoltaïkanlage haben. Kurzum, der Strom wird teurer. Aktuell werden im Schnitt bei durchschnittlichem Verbrauch von 3.500 kWh/Jahr etwa 40 € von jedem privaten Stromkunden gezahlt, damit der Stromlieferant seine Kosten für den Kauf von Grünen Zertifikaten zurück erhält. Jeder Stromkunde findet seinen Anteil an den Kosten für Grüne Zertifikate auf seiner Stromrechnung wieder. Wir sind im Moment bei etwa 13 % Strom, der mittels Grünen Zertifikaten erzeugt wird. Die wallonische Regierung hat jedoch beschlossen, den Anteil an Strom, der mittels Grünen Zertifikaten erzeugt wird, bis 2020 auf insgesamt 37.9 % zu steigern. Daraus folgt, dass die Stromrechnung automatisch teurer wird, nur dass die Verteuerung zugunsten der industriellen Großanleger (Windkraft, Biomasse, Photovoltaik, Erdwärme …) spielt, indes die kleinen Anleger (private Photovoltaïkanlagen) anhand der Minderung der Anzahl Grüner Zertifikate progressiv vom Markt verdrängt werden und progressiv nur noch auf die Minderung der eigenen Stromrechnung zählen können
5. Offene Fragen
Zu den vorliegenden Dokumenten beauftragt die Regionalregierung des Energieminister Nollet (Ecolo), das Gutachten des Staatsrats einzuholen. Dafür wird eine Frist von 30 Tagen angesetzt. Danach kommt der Regierungserlass in letzter Lesung erneut vor die Regionalregierung und dürfte, falls er so angenommen wird, verabschiedet und veröffentlicht werden. Bis dahin hat die vorliegende Information selbstverständlich provisorischen Charakter.

Bitte können Sie dieses Artikel in Französisch übersetzen.
Ich bedanke mich !
Sehr geehrter Herr Stoffels,
ich möchte mich hiermit recht herzlich bei Ihnen für Ihre Mühen bedanken . Infos in unserer Muttersprache Deutsch zu erhalten ist weiß Gott nicht selbstverständlich da wir deuschsprachige Belgier was Informationen angeht zu mindestens 95 % vergessen werden
Mit ferundlichen Grüßen
Elke Letsch
[...] auch noch anteilsmässig für die ständigen Stromausfälle System Loss blechen Edmund Stoffels » Blog Archiv » Was ändert sich im Bereich der Der Regionalabgeordnete Stoffels SP hat die Texte unter die Lupe genommen und kommt zu folgenden [...]